Freitag, 19. Januar 2018

Durchnähen von Freitag bis Sonntag: Die fünfte Annäherung in Bielefeld


Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder in der Jugendherberge in Bielefeld, bei der Annäherung, dem jährlichen großen Nähtreffen, das schon viele andere Treffen dieser Art inspiriert hat. Das Programm dieses Wochenendes ist immer ganz simpel: Freitag Nachmittag ankommen, Nähmaschine aufbauen, nähen, Abendessen, nähen. Samstag: Nähen, unterbrochen von drei Mahlzeiten. Sonntag: Nähen, unterbrochen von Frühstück und Mittagessen, Abschlusspräsentation, Aufräumen, Abreise. Sonntag Abend zuhause erschöpft, aber glücklich ins Bett fallen. Klingt für Menschen ohne Hobbys sicher seltsam - Nähende wissen, wie himmlisch das ist.

So kann mans ein ganzes Wochenende aushalten

Seit fünf Jahren gibt es dieses Treffen, ich war vier Mal dabei, und es ist mir so wichtig geworden, dass ich alle anderen Termine verschiebe und frühzeitig dafür sorge, dass ich an dem Freitag und Samstag nicht arbeiten muss (und am besten auch am Donnerstag nicht oder nur wenig, um in Ruhe zuschneiden zu können).

Dieses Jahr hatte meine Planung nicht so gut geklappt, ich war bis zum Donnerstag Nachmittag mit Arbeit eingedeckt und merkte erst am Mittwoch, dass mir für mein eigentlich geplantes Nähprojekt noch wichtige Zutaten fehlen, ein langer teilbarer Reißverschluss und Bündchenware. Für beides hätte ich nach Charlottenburg fahren müssen, das war am Donnerstag nicht mehr drin. Den Schnitt hatte ich auch noch nicht zusammengeklebt, denn der Drucker war am Dienstag verstorben. Also entschied ich mich um und sammelte einfach alle Tüten mit halbfertigen Projekten ein, warf passendes Nähgarn, ein Stück Bügeleinlage und das nötigste Nähzubehör neben die Nähmaschine in den Koffer und ging viel zu spät zu Bett.

Blick in die eine Hälfte des Nähraums

Am Freitag kam ich mit einem entsprechenden matschigen Gefühl und ein bißchen gestresst in Bielefeld an, aber damit war ich nicht die einzige. An meiner Tischgruppe mit Chrissys Nähkästchen, Muriel nahtzugabe5cm, der Drehumdiebolzeningenieurin, Marja Katz, Tine Sews und FrauCrafteln  als Nachbarinnen ging es fast allen so, und wir nähten bzw. schnitten an dem Abend ganz schön viel Mist zusammen. Marja schnitt ein Kleidvorderteil zweimal falsch zu und wich dann auf Kinderschlafanzughosen aus, der pinkfarbene Wollstoff von Tine zeigte größere Farbunterschiede, als beim Kauf erkennbar waren, und im allgemeinen wurde mehr geflucht und getrennt als genäht.

Ausnahmsweise Abendessen bei Kerzenschein

Das Abendessen möbelte mich ein bißchen auf, außerdem hatte sich die Jugendherberge eine Überraschung für uns zum fünfjährigen Jubiläum ausgedacht: Wir wurden an weiß eingedeckte Tische in eine Nische des Speisesaals gebeten und bekamen die Vorspeise (Salat, Rote Bete mit Ziegenkäse) bei Kerzenschein am Platz serviert. Das Hauptgericht (Spaghetti Bolognese wie jedes Jahr) holten wir uns wie immer an der Essensausgabe, das Dessert - Pudding in kleinen Schälchen mit Kokosraspeln drauf - wurde wieder serviert, und wie jemand so zutreffend sagte, wurde der Puddig durch diese Präsentation enorm aufgewertet. Ich hätte auch gar nicht gedacht, dass wir als Gruppe dort so beliebt sind, schließlich treiben wir den Stromverbrauch in die Höhe, hinterlassen Stecknadeln im Teppichboden und verschleppen Fäden und Fusseln überall hin.

Für Samstagabend hatten das Organisationsteam (Susi, Miriam, Alexandra) Torte bestellt

Die halbe Nacht, der Samstag und der halbe Sonntag gingen dann schnell vorbei. Wie immer habe ich nur wenige Fotos gemacht, weil das Eintauchen in die Gespräche, das Nähen im Flow, das Aufsaugen von Inspirationen das gar nicht zulässt. Vor allem die Gespräche habe ich sehr genossen. Viele kommen jedes Jahr, und es ist schön, dass man sich so über die Jahre ein bißchen besser kennenlernt, und ich freue mich immer schon vorher, alle wiederzusehen. Ein paar "Neue" sind jedes Mal auch dabei, die aber gar nicht so neu sind, weil man sie durch die Blogs ja schon ein bißchen kennt - die Mischung an interessanten Frauen und interessanten Nähprojekten ist jedes Mal ganz wunderbar. Ich war an dem Wochenende tatsächlich nur einmal für eine halbe Stunde "draußen", im Supermarkt nebenan, um fünf Tüten Kartoffelchips für den Samstagabend zu kaufen!

"Lora" aus La Maison Victor ist fertig geworden

Über meine Nähprojekte bei der Annäherung schreibe ich später jeweils noch mal ausführlich. Ich nähte das Weihnachtskleid, Lora aus La Maison Victor zuende, was viel länger dauerte, als angenommen, weil ich das Kleid erst noch einmal auseinandernehmen musste. Eine Bluse mit doppelten Volantärmeln (Schnitt aus Burdastyle 10/2017) säumte ich endlich, ebenso zwei ansonsten fertige T-Shirts, und mit dem Futter des Anna-Dress aus selbstgebatiktem Stoff kam ich auch ein bißchen weiter. Alles in allem ein sehr erfolgreiches und schönes Wochenende!

Die Bluse aus Burdastyle 10/2017 ist endlich gesäumt

Nähwochenenden kann ich also mehr als empfehlen. Die Annäherung in Bielefeld ist eigentlich immer schon voll (obwohl es sich, da Erkältungszeit, durchaus lohnt, sich auf die Warteliste setzten zu lassen). Alexandra - Mamamachtsachen, eine der Bielefeld-Organisatorinnen, organisiert aber auch noch andere Nähreisen, dieses Jahr Anfang März ein Nähwochenende in Scharbeutz an der Ostsee und im September ein Nähwochenende in Würzburg. Die Termine und Anmeldemöglichkeiten findet man hier, und hier steht nochmal etwas Genaueres über das Programm (im wesentlichen: Nähen, nähen, nähen) des Ostseewochenendes. 

Die Nähpläne der Mitnäherinnen

Die Idee der Annäherung haben auch einige andere Anbieterinnen von Nähreisen aufgenommen: Die Nähcamp-Tour von Elke - Ellepuls macht in Hotels in allen größeren Städten Halt, neben einem Nähplatz gibt es auch Workshops und am Samstag eine fachkundige Nähhelferin vor Ort - die Informationen findet man hier.

Nina vom Blog Hedi näht organisiert Nähwochenenden in Jugendherbergen im Norden Deutschlands, bzw. sie lässt durch das Jugendherbergswerk organisieren, denn sie ist bei den meisten Treffen gar nicht mehr dabei - wie auch immer, die Termine findet man hier auf der Seite des Deutschen Jugendherbergswerks. 

Sicher gibt es noch viele andere Wochenendtreffen, mal kommerzieller, mal weniger kommerziell. Am Starnberger See wurde am vergangenen Wochenende auch gemeinsam genäht, darüber stolperte ich aus Zufall. Die Organisatorin ist Melanie - The flying needle, und soweit ich gehört habe, soll dieses Treffen wiederholt werden.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Anna Sui im Fashion and Textile Museum in London


Bei meinem Londonbesuch im September konnte ich nicht nur die Balenciaga-Ausstellung im V&A besuchen, sondern an einem der letzten Tage auch die Schau über Anna Sui im Fashion and Textile Museum. Aus Begeisterung habe ich eine Menge fotografiert (was dort wie im V&A erlaubt ist), die Üppigkeit dieser Ausstellung und der Detailreichtum der Mode von Anna Sui lassen sich aber auch  durch noch so viele Fotos nicht einfangen. 


Das Museum hatte eine überwältigende Zahl von Outfits zusammengetragen, und man hätte Stunden damit verbringen können, die Details zu studieren. Das Aufeinandertreffen von Mustern, Farben und Materialien aus ganz verschiedenen Kontexten, die schließlich aber doch unglaublich gut zusammenpassen, ist faszinierend - wie auf dem Foto oben die Bastfransen an Kragen und Taschenpatten der Jacke aus Jacquard, und darunter eine Bluse mit Jugendstilmuster.

Die Entwürfe von Anna Sui sind sehr weit weg von dem Stil, den ich selbst tragen würde, und einmal mehr habe ich bedauert, dass mir bohèmehafte Flohmarktmode und Exotisches überhaupt nicht stehen - es würde so großen Spaß machen, in diesem Stil zu nähen und auf Materialjagd zu gehen.  


Außerdem beneide ich Designer um die Möglichkeit, Feinstrickpullover und -jacken in speziellen Farben und Schnitten in Auftrag geben zu können - wäre ein Strickwarengenerator nicht mal ein Projekt für ein Start-up?

Die Zusammenstellung vom Foto oben hat mir besonders gut gefallen: Die Jacke hätte ich gerne, sie sah nach schönem, hochwertigem Strick aus, und die taillierte Form und die umlaufende schwarz-weiß-melierte Blende ist toll. Und wie geschickt der Kunstfellschal das Schwarz-Weiß-Melierte der Jacke aufnimmt, und wie dieser Ton im Muster des Jerseyrocks wiederkehrt, dessen Violett im Oberteil wieder auftaucht!


Im Hauptraum der Ausstellung waren die Kleiderpuppen nach Stilelementen gruppiert - in der Gruppe oben war das verbindende Element der Punk.


Hier unten ist vorne das Thema "Victorian" mit Blick auf "Schoolgirl" und "Retro". Anna Sui fing, wie so viele von uns, als Jugendliche an zu nähen. Sie arbeitete Sachen vom Flohmarkt für sich um, änderte und kombinierte sie neu. Dieses Sammeln, Entdecken, Bekanntes neu sehen und in einen anderen Kontext stellen, ist immer noch das Prinzip ihrer Arbeit. Der Kontrast zu Balenciaga, dem akribischen Schnitt-Tüftler, der am liebsten Kleidung ohne jede aufgesetzte Verzierung entwarf, könnte nicht größer sein.


Man kann trotzdem nicht sagen, dass das Schneiderhandwerk für Anna Sui unwichtig wäre und dass sie, wie es im deutschen Wikpedia-Artikel heißt, "auf Luxus und kostbare Stoffe" keinen besonderen Wert legen würde, den Eindruck habe ich in der Ausstellung nicht gehabt. Ihre Sachen unterscheiden sich in der Materialqualität schon sehr von dem, was man im exotischen Hippie-Stil von der Stange kaufen kann. Seiden-Pannesamt, Seidenchiffon, Crêpe de Chine, feine Wollstoffe sind ihre Materialien. Sehr viele Teile sind mit üppigen Perlenstickereien verziert, wie das exotische Hängerkleid oben (der Untergrund ist Dupionseide, wenn ich mich richtig erinnere).


Die Zusammenstellung oben, die mich jetzt auf dem Foto fatalerweise an die Love-Parade-Outfits der späteren Neunziger erinnert, wirkte in der Ausstellung ganz anders - dort sah man nämlich, wie hochwertig der karierte Wollstoff des Rocks ist, der möglicherweise extra für Anna Sui gewebt wurde, denn das Rot und Gelb der Wollblüten passt exakt zum Rot und Gelb der Karos.

Ein bißchen mehr über die Herstellung der Kleider hätte ich in der Ausstellung trotzdem gerne erfahren. Der Designprozess scheint bei Anna Sui so abzulaufen, dass sie von Moodboards ausgeht und zunächst Bilder (oft aus Modemagazinen der 50er, 60er und 70er Jahre), Stoffe, Materialproben, Farbkarten, Stoffmusterskizzen anhäuft, aus denen sie dann die Modelle entwickelt. In der oberen Etage konnte man einige dieser Boards sehen, und man erfuhr auch, dass sie bei Schuhen und Schmuck seit Jahren mit anderen Designern zusammenarbeitet. Wie aus einer Modellskizze, einer Idee, dann aber ein Kleid erschaffen wird, wer das alles umsetzt, das bleibt leider ziemlich nebulös. Ist erst der (Muster-)stoff da, und dann die Idee? Oder wird eine Kollektion zusammenpassender Stoffe vorab in Auftrag gegeben? Wo und von wem werden die Stickereien produziert?


Anna Sui stellt keine Haute Couture her, sondern letztlich "nur" Mode von der Stange, aber diese Abendjacke zum Beispiel war einfach fantastisch und in der Qualität des Stoffes (schwarzer Seidensamt) und der Handarbeit - Art-Déco-Motive aus silbernen Perlen, Pailetten und Spiegeln, Perlenfransen - durchaus auf Haute-Couture-Niveau.


Hier bei dieser Gruppe zum Thema "Retro" sieht man auch noch einmal gut, wie Anna Sui arbeitet: Die Kleidungssilhouette der 1930er Jahre nimmt sie, inklusive der schräg auf dem Vorderkopf getragenen Hüte, ziemlich originalgetreu auf. Der Bruch, der die Modelle zu Kleidern von heute macht - und das habe ich leider nicht im Detail fotografiert - liegt in der Zusammenstellung mit den Accessoires: Mal ein schwarzes Nietenarmband, mal ein Ledergürtel, mal sind es Lurex-Glitzersöckchen in Pink.


Hier bei dem Bild aus der Abteilung "Rockstar and Hippie" sieht man auch ein bißchen von der Ausstellungsarchitektur: Sie orientierte sich an der Einrichtung der ersten Boutique des Labels Anna Sui in New York 1992. Der Laden war mit glänzend schwarz lackierten, verschnörkelten Jahrhundertwendemöbeln eingerichtet, mit Tiffanylampen und schwarz-weißen Tapeten.

Den breiten Stoffgürtel habe ich wegen der Wollstickerei fotografiert. Und wieder kann man beobachten, wie bestimmte Farben und Formen in allen Bestandteilen des Outfits wiederkehren, so dass die Einzelteile einerseits ganz verschieden sind, andererseits aber doch wie aus einem Guss. 

Diese Zusammenstellung hat mir besonders gut gefallen (und wäre für mich im Sommer sogar tragbar): Ein weißes Batistkleid mit roter Stickerei und eine kurze Jacke aus grobfädigem rotem Leinen mit weißer Perlenstickerei. Die großen, facettierten weißen Perlen waren etwas ganz Besonderes, sie wirkten wie Jettperlen, aber eben in Weiß und nicht in Schwarz, möglicherweise waren sie nicht aus Glas, sondern aus einer Art Plastik.


Links sieht man ein Stück von einem Moddboard - und von der Jacke rechts, zusammen mit dem Kleid, war ich ganz hin und weg. Ich musste mir sehr streng sagen, dass ich eine Lederjacke mit Fransen und Vogelapplikation sowieso unmöglich tragen kann, um mich loszureißen.

Neben dieser Vitrine mit dem Kleid konnte man durch eine Glaswand in den lichtdurchfluteten Workshopraum des Museums sehen, in dem gerade eine Gruppe mit Stoffen hantierte. Auch da hätte ich mich am liebsten dazugesellt, und ich plane (und spare!) schon für die nächste Londonreise. Falls ihr nach London reisen könnt, schaut vorher nach, was für Ausstellungen gerade im Fashion and Textile Museum angekündigt sind, das Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Da es ein eher kleines, nicht-staatliches Museum ist, gibt es keine Dauerausstellung, sondern wechselnde Sonderausstellungen, die etwa drei Monate laufen, dann ist das Museum etwa 14 Tage für den Aufbau der nächsten Ausstellung geschlossen, darauf sollte man seine Reisedaten abstimmen.


Die Bermondsey Street und die Gegend um das Museum herum sind übrigens auch ganz interessant. Das Viertel war einmal ein Zentrum der Lederproduktion und des Lederhandels, wie man an Straßennamen wie Leathermarket St., Morocco St. (Maroquinleder) und Tanner St. (Gerber) ablesen kann. Die großen Fabrikgebäude und Lagerhäuser beherbergen heute Galerien, Läden, schicke Büroflächen oder Wohnungen  - zum Teil mit Dachgärten, wie man sieht, und an jeder zweiten Ecke werden gerade leerstehende Lagerhäuser in noch mehr teure Wohnungen umgewandelt. Das Viertel macht den Eindruck, als hätte es sich in den letzten Jahren rasant verändert, von total heruntergekommen zu superschick, als Berlinbewohnerin kennt man die Anzeichen ja sehr gut.


Ein bißchen rauher ist es noch ein Stück weiter Richtung London Bridge (aber die Hauptstraßen mit viel Verkehr werden sowieso nie so schick, auch das kennt man aus Berlin). Ich war sehr gespannt, The Shard zu sehen, das Hochhaus von Renzo Piano, das es noch nicht gab, als ich das letzte Mal in London war. Wenn man in Southwark unterwegs ist, ist der Turm fast überall zu sehen oder taucht auf einmal überraschend in der Straßenflucht auf, besonders schön in der Dämmerung oder bei Nacht, wenn sich am Horizont eine dunstverschleierte, von innen heraus leuchtende Pyramide erhebt. Der Kontrast ist manchmal extrem, weil es in Southwark einige kleine Straßen mit kleinen, oft nur zweistöckigen Häusern gibt. Ich kann einerseits die Kritik gut nachvollziehen, die dieser überdimensionierte Turm auf sich gezogen hat, aber ich bewundere andererseits die Kühnheit des Entwurfs und auch, dass sowas tatsächlich genehmigt, finanziert und gebaut wird.


Ein Tipp noch, falls ihr das Modemuseum besucht, und danach noch etwas essen wollt: Das Café im Museum ist nett, aber nicht weit entfernt ist der Borough Market, der einer der besten Lebensmittelmärkte in London sein soll. Der Markt besteht aus mehreren verwinkelten Hallen, zum Teil unter einer Bahntrasse, und dort gibt es auch eine Menge Stände, an denen man etwas essen kann und einen glasüberdachten Bereich, in dem man sich hinsetzen kann. Sonntags ist der Markt geschlossen, Montag und Dienstag ist nur ein Teil der Stände geöffnet, Mittwoch bis Samstag sind die Haupttage. Da findet man auf jeden Fall etwas, und es gibt auch viel zu schauen und zu entdecken. Sogar einen deutschen Stand - mit Thüringer Bratwurst, Bautzner Senf, Kühne Rotkohl im Glas, Apfelmus und sauren Gurken aus dem Spreewald - habe ich gesehen. 

Mittwoch, 13. Dezember 2017

1-Jahr-Buchgeburtstags-Verlosung: Die Gewinnerinnen!


Ihr Lieben, vielen Dank für die Glückwünsche und vor allem für die vielen guten Ideen zum einjährigen Stofflexikons-Geburtstag. Ich habe mir alles aufgeschrieben, der Suschna-und-Lucy-Kleinstverlag trifft sich am Freitag, und dann werden wir erste Pläne schmieden. Susanne schreibt auf "Textile Geschichten" übrigens gerade einen sehr unterhaltsamen Adventskalender rund um Textilien und Stoffe - schaut mal rein, es sind lauter kleine Häppchen, wie Plätzchen, die man zwischendurch konsumieren kann - der erste Teil ist hier und die Türchen der zweiten Woche finden sich hier.

Nun aber zu den Gewinnerinnen der drei Bücher, Herr Nahtzugabe hat sie gestern Abend ausgelost. Gewonnen haben:


Los Nummer 1: Puppilalla - die übrigens ein tolles Quiltblog schreibt.


Nummer zwei: Ana Malu - leider soweit ich sehe ohne Kontaktmöglichkeit im Google-Profil. Melde dich doch bitte mit deiner Adresse bei mir unter nahtzugabeÄTgmailPUNKTcom.


Und Buch Nummer drei geht an Nria vom Blog Mondkunst.

Ergänzung 21.12.2017:
De Gewinnerin des Buchs Nummer zwei hat sich leider nicht gemeldet, und ich habe keine Möglichkeit, mit ihr Kontakt aufzunehmen, daher gab es eine Nachziehung: 

 
Gewonnen hat @malous_potpourri bei Instagram!

Herzlichen Glückwunsch, ihr drei, viel Freude mit den Büchern! Sie machen sich dann Freitag bzw. wenn ich die Adressen habe, in ihren Beuteln auf den Weg zu euch.

Wer noch mit einer Bestellung von "Stoff und Faden" liebäugelt: Direktbestellungen bei mir bitte möglichst bis zum 21. 12., dann kommt das Buch noch vor Weihnachten an. Das Buch gibt es natürlich auch im Buchladen, dort kann man es auch noch am 22. bestellen und am 23. abholen - aber auch die Buchhändlerinnen freuen sich, wenn nicht alles auf den letzten Drücker kommt. Alle Informationen zu "Stoff und Faden" und einen Blick ins Buch findet ihr hier. Die Bücher meiner Kleinstverlags-Partnerin Susanne zu Redensarten rund um Textilien und Stoff - "Verflixt und Zugenäht" und "Am Rockzipfel" findet ihr hier - auch sie bekommt man im Buchhandel oder kann sie bei Susanne direkt bestellen.

Samstag, 9. Dezember 2017

Ein Jahr "Stoff und Faden" - mit Verlosung!

Heute ist ein Tag zum Feiern, denn vor genau einem Jahr nahm ich unten auf der Straße vor dem Haus eine Palette Bücher in Empfang - das Stofflexikon "Stoff und Faden" wurde von der Druckerei geliefert und ich hielt endlich das Ergebnis von fast einem Jahr Arbeit in den Händen.


Das Jahr dazwischen war aufregend, anstrengend und beglückend: Ich packte und verschickte Hunderte Briefe, Päckchen und Pakete mit Büchern, nahm Anfang März eine weitere Buchpalette in Empfang, fuhr zu Lesungen und Workshops, bekam ein Verlagsangebot für "Stoff und Faden" (das ich ausschlug), und nun denke ich allmählich über neue Buchprojekte nach.

Jetzt ist es aber zunächst Zeit, Danke zu sagen für dieses großartige Jahr, denn ich bekam sehr viel Unterstützung von sehr vielen Menschen, die ich zum Teil nicht mal kenne:

Ich winke also besonders herzlich nach Hamburg, wo die Einkaufsabteilung von Libri "Stoff und Faden" ganz unproblematisch in den Katalog aufnahm und mir noch dazu sehr gute Bedingungen einräumte. Das wäre aber nicht passiert, wenn nicht so viele von euch, liebe Leserinnen, das Buch im Buchladen bestellt und das kleine Lexikon euren Buchhändlerinnen besonders ans Herz gelegt hätten - Danke dafür.

Einen großen Dank auch an alle, die "Stoff und Faden" sofort nach Erscheinen in ihrem Laden oder Onlineshop anboten, als man noch gar nicht wissen konnte, dass das Buch ein Erfolg werden würde. Stellvertretend für viele, viele andere winke ich in den Süden, zum Reisebuchladen Karlsruhe und zum Team der Haupt-Buchhandlung in Bern und nach Hannover zu Daniele von Lillestoff.

Einen großen Dank aber vor allem an alle, die in ihrem Blog, bei amazon, bei twitter und Instagram Buchbesprechungen veröffentlichen und Freundinnen und Bekannten von "Stoff und Faden" erzählen - solche persönlichen Empfehlungen sind unglaublich wertvoll für ein Buch, das nicht von vorneherein in jedem Buchladen liegt, und ich freue mich über jede einzelne.


Übrigens fand auch die Redaktion von BurdaStyle "Stoff und Faden" richtig gut und empfahl es in der Novemberausgabe als eine der "besten Neuerscheinungen zum Thema Mode" - eine  vollkommen unerwartete Überraschung und auf jeden Fall das Highlight des Jahres für mich. Einen herzlichen Dank nach München!


Ich werde erst heute Abend wirklich etwas feiern können - heute muss ich nämlich arbeiten - aber für euch gibt es schon jetzt etwas: Ich verlose drei Exemplare des Stofflexikons jeweils mit einer von mir genähten, wiederverwendbaren Geschenkverpackung, für dich, oder gleich fix und fertig zum Weiterverschenken für eine Nähfreundin.

Alles was du dafür machen muss: erzähl' mir in den Kommentaren, was für Selbermach-Textil-DIY-Bücher du magst. Über welches Thema hättest du gerne ein Buch? Zu welchen Thema sollte es noch Anleitungen oder gute Bücher geben? Worüber würdest du gerne lesen, was interessiert dich? Welches Selbermach-Buch gefällt dir gerade besoders gut, und warum? Du musst keinen Roman schreiben, pick' dir einfach die Frage heraus, zu der dir spontan etwas einfällt. (Susanne von "Textile Geschichten" und ich haben einiges vor, du ahnst es vielleicht.)

Die Verlosung läuft bis zum Dienstag, 12. 12. 2017, 17.00 Uhr, dann lose ich aus und gebe am nächsten Tag die Gewinnerinnen bekannt. Du kannst auch bei Instagram (@nahtzugabeblog) teilnehmen, indem du unter dem entsprechenden Beitrag kommentierst. Wenn du sowohl hier, als bei Instagram antwortest, zählt das doppelt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, es entscheidet das Los. Die Verlsoung kann natürlich gerne geteilt werden. Viel Glück!

Samstag, 25. November 2017

Weihnachtskleid pragmatisch: Ein Plan, ein Stoff, ein Kleid

Vorweihnachtszeit ist Weihnachtskleidzeit, und so gibt es auch dieses Jahr ein gemeinschaftliches Weihnachtskleidnähen in der Nähbloggerinnencommunity. Ich habe schon in einigen Jahren mitgenäht, aber nur eine recht geringe Erfolgsquote vorzuweisen. Weihnachtszeit ist eben auch Jahresende, und neben Geschenke-Nähen und Besinnlichkeit bedeutet das meistens auch einen Berg noch zu erledigender Dinge. Ich bin dann meistens froh, wenn ich Weihnachten irgendwie in den Sessel fallen kann und alle Geschenke fertig geworden sind. Den Stapel mit den für Weihnachtskleidung vorgesehenen Stoffen und Schnitten räume ich dann nach Weihnachten beschämt vom Bügelbrett.

Dieses Jahr versuche ich es mal mit kluger Beschränkung: Ein ungefüttertes Kleid mit wenigen Schnittteilen habe ich mir ausgesucht, nämlich "Lora" aus La Maison Victor 9/10 2015, ein locker sitzendes Kleid mit Taschen. Die Version von Dana Feinstöfflich hatte mir letztes Jahr besonders gut gefallen, und im Mai zeigte Yvonet ein geblümtes Kleid nach dem Schnitt, das meine Erinnerung an den Schnitt erneuerte.

Außerdem brachte ich durch Yvonnes Stoffwahl  auf einmal einen Stoff aus meinem Lager mit dem Schnitt in Verbindung, und zwar einen recht festen, stretchigen Baumwollsatin mit einem wie aquarelliert wirkenden Blumenmuster auf schwarzem Untergrund.

Den Stoff hatte ich mittlerweile schon als "schwierig" gedanklich wegsortiert, weil er viel Stand hat, während die gerade aktuellen Schnitte meistens dünnere und fließendere Stoffe verlangen. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, den kräftigen Satin ein paar Jahre wegzulegen, bis sich die Kleidungssilhouette mal wieder grundlegend geändert hat. Aber zu Lora passt der Stoff genau, und Dank Yvonne konnte ich jetzt auch die Transferleistung vollbringen, mir den Schnitt aus einem gemusterten Stoff vorzustellen.

Das ist also der Plan für das Weihnachtskleid 2017. Meinen etwas planlosen Plan von 2016 - einen üppigen Paillettenrock mit Blüten aka "Dior für Arme"- habe ich aber noch nicht aufgegeben.

Übers Jahr hatte ich immer mal wieder zufällig die beiden Stoffe in der Hand - einen Viskosejersey mit grau-gelben hingeklecksten Blüten und einen stretchigen schwarzen Pailettentüll. Die Idee von Weihnachten 2016, die beiden Stoffe doppellagig zu einem Maxirock zu verarbeiten, und die obere Lage aus Tüll mit weiteren Pailetten zu verzieren, gefiel mir mit jedem Mal besser und besser.

Ich versuche, das als Langzeitprojekt im nächsten Jahr umzusetzen. Der Maxirockschnitt 106 aus Burdastyle 1/2016 erscheint mir im Moment geeigneter, als der Schnitt, den ich letztes Jahr vorgesehen hatte, denn die seitlichen Einsätze könnten aus festem Stoff gemacht werden. Oder doch ein langer, angekräuselter Rock? Darüber muss ich noch nachdenken und mal ein bißchen mit den Stoffen drapieren.


Dieser Pullover aus dem Brigitte-Kreativ-Heft 4/2017 gefällt mir auch sehr gut und passt zum Thema "Weihnachten einfach nur in den Sessel fallen", es ist allerdings vollkommen illusorisch, dass ich sowas in den Wochen bis Weihnachten noch fertigstellen könnte. Die Perlen sind alle aufgestickt. Eine Idee, die ich ebenfalls im Hinterkopf behalte. Wenn ich im Sommer anfange, könnte er Weihnachten 2018 fertig sein!

Den Stand der  Weihnachtskleidnäherei gibt es hier im MeMadeMittwoch-Blog.

Donnerstag, 23. November 2017

Menschen, Maße, Materialien und eine alte Feuerwache: Das Nähbloggerinnentreffen in Köln

Als ich mit dem Nähbloggen anfing hätte ich ja nie gedacht, dass ich deswegen eines Tages quer durchs Land fahren und an einem Samstag um Sieben aufstehen würde, um mit fünfzig anderen Frauen einen Tag lang Stoffproben anzuzünden. Aber genau das war das Programm am letzten Wochenende, bei Nähbloggerinnentreffen in Köln, perfekt organisiert von Brigitte (Overluck), Antje (Machen statt kaufen), Susi (Alle Wünsche werden wahr) und Bele.

Samstag war grau, aber wir waren kaum draußen

Ich reiste schon am Freitag an und traf zuerst Bele, denn wir sollten am Samstag zwei Workshops zu Stoffen und Materialien - "Stoffe nicht nur lieben, sondern kennen" - geben, und hatten das zusammen in dieser Konstellation noch nie gemacht. Wir stellten aber schnell fest, dass wir beide endlos über Stoffe reden könnten. Beim Vor-Treffen in einem Café mit denen, die schon angereist waren, schlug dann bei mir die Müdigkeit nach einer ohnehin schon sehr vollen Woche zu - und ein bißchen nervös war ich wegen der bevorstehenden Workshops auch.

Vor dem Workshop: Garne und Stoffproben liegen bereit

Bei den Workshops - die nicht zuletzt wegen der vielen, interessierten Fragen super waren - erzählte Bele über Fäden und Bindungen und welche Auswirkungen ihre Eigenschaften auf die Eigenschaften des Stoffes haben. Sie hatte einen Satz Fadenzähler besorgt, so dass die Stoffproben, die wir mitgebracht hatten, ganz genau betrachtet werden konnten. Das war der Hit im Workshop, und im Grunde braucht jeder Näh-Haushalt so ein Gerät - einfach nur, weil es großen Spaß macht. Man kann alles zwischen sehr wenig und sehr viel Geld für so einen Fadenzähler ausgeben, die Organisatorinnen hatten sich für diesen mit Beleuchtung entschieden. Außerdem gab es eine Auswahl Fäden mit unterschiedlichem Aufbau zum Anschauen und Auseinandernehmen, die Bele bei einem belgischen Garn-Spezialversand bestellt hatte, den man hier findet. Die Shopbetreiber entwickeln unter anderem spezielle Garne für Modedesigner, und was von diesen Produktionen übrig bleibt, wandert dann ich den Shop, wenn ich das richtig verstanden habe.

Stoffe muss man fühlen, nicht nur sehen

Zuletzt gings ans Zündeln, erst mit Stoffproben mit bekannter Zusammensetzung, dann kamen die unbekannten Stoffe an die Reihe. Jede Faser brennt auf eine charakteristische Weise ab, mit einem bestimmten Tempo, einem bestimmten Geruch, einer bestimmten Flamme, es bleibt unterschiedlich viel übrig - wer mein Stofflexikon "Stoff und Faden" schon angeschafft hat, hat es da bestimmt gelesen, es gibt aber auch im Internet allerlei Tabellen, wie sich die Stoffe beim Abbrennen unterscheiden.

Ein Fadenzähler gehört in jeden Haushalt

Nur lesen bringt da aber gar nichts - man muss es ausprobieren, Stoffe vergleichen, und so bekommt man langsam ein Gespür dafür, worauf man achten muss. Nehmt euch das Buch vor, und zündet erstmal ein paar Stoffe an, bei denen ihr sicher wisst, worum es sich handelt. Damit könnt ihr dann Stoffe vergleichen, bei denen ihr nur annehmt, es könnte "irgendwas mit Wolle" sein. Manchmal kommt man nicht weiter, weil verschiedene Fasermaterialien schon im verwebten Garn miteinander verarbeitet wurden und man sie nicht mehr trennen kann; auch das Unterscheiden verschiedener Kunstfasern finde ich schwierig (oder ich habe einfach noch nicht genügend Vergleichsmaterial gesammelt!) - aber ob es sich hauptsächlich um eine Naturfaser oder um Kunstfasern handelt, kann man eigentlich immer herausfinden, und auch das ist ja schon mal nützlich. Wir konnten auf diese Weise zum Beispiel feststellen, dass ein mysteriöser doppellagiger Stoff vom Fabrikverkauf bei Rene Lezard aus Naturfasern aus Zellulose bestehen muss, vermutlich Baumwolle, obwohl er durch die miteinander verklebten Schichten wie ein Funktionstextil wirkt.

Wir hatten vorab etwas Sorge, ob wir die Rauchmelder auslösen könnten - und für alle Fälle einen gefüllten Wassereimer im Raum deponiert. Glücklicherweise hatte der Veranstaltungsraum große Fenster, die sich öffnen ließen. Es wäre sehr ironisch, aber auch peinlich gewesen, in einer umgebauten Feuerwache einen Feuer-Fehlalarm auszulösen. 

Zeitgleich zu Beles und meiner Veranstaltung gab es einen Workshop zum richtigen Vermessen mit dem Maßschneider Sebastian Hoofs und seinem Assistenten Tom - die Gruppen wechselten, so dass jede jeden Workshop besuchen konnte. Das hätte mich ja auch sehr interessiert, ging aber zeitlich nun einfach nicht, aber vielleicht gibt es ja mal eine andere Gelegenheit. Sebastian gibt auch andere Kurse für Hobbynäher, übers Nähen, übers Schnitte-Anpassen, die Kölnerinnen schwärmen schon länger davon.

Etwa ein Viertel des Tauchtischs, diesmal nach Farbe sortiert

Der Abend ging mit gutem Essen im Cafe des Veranstaltungsorts zuende, und dort trafen wir uns am nächsten Morgen gleich wieder zum Frühstücken, während sich nebenan die Tauschtische füllten. Ich musste mich ehrlich gesagt etwas zusammenreißen, um nicht überall Stoffproben abzuschneiden und anzuzünden (und wenn ich nicht so müde gewesen wäre, hätte ich das vermutlich gemacht), aber immerhin konnten Claudia und ich ein senfgelbes Sherlock-Holmes-Karo als Wolle identifizieren.

Am frühen Sonntagnachmittag machte ich mich dann wieder auf, in Richtung Süden zu einem sehr kurzen Familienbesuch, und erst jetzt, wieder zuhause und etwas erholt, kann ich mich so richtig über das Wochenende freuen. Nette Gespräche, viele neue Ideen (nicht zuletzt auch Ideen für neue Bücher), wie immer zu wenig Zeit, um sich mit allen gleichermaßen ausführlich zu unterhalten, aber ich habe wieder ein paar Namen neu gelernt und kann sie Gesichtern und Blogs zuordnen. Bis zum nächsten Treffen dann!